Wir und die Anderen / nous et les autres
Zwischen dem 29. September und dem 27. Oktober 2025 fand am Kollegium St. Michael die Wanderausstellung zum Thema «Wir und die Anderen – vom Vorurteil zum Rassismus» statt. Die Ausstellung wurde von der Fachstelle für die Integration der Migrantinnen und Migranten sowie für Rassismusprävention (IMR) konzipiert und zur Verfügung gestellt.
Ziel der Wanderausstellung war es, den Besucherinnen und Besuchern aufzuzeigen, wie Rassismus funktioniert, wie er historisch entstanden ist und in welchen Formen er heute noch auftritt. Anhand von 17 informativen Plakaten sowie verschiedenen Videobeiträgen erhielten die Schülerinnen und Schüler fundierte Antworten auf zentrale Fragen: Was ist Rassismus? Wie zeigt er sich im Alltag? Welche historischen Wurzeln hat er? Was sagt die Wissenschaft dazu?
Weshalb besteht Rassismus weiter, obwohl die rechtliche Gleichstellung erreicht wurde? Warum gibt es Demonstrationen gegen strukturellen Rassismus? Und wie kann ich mich persönlich gegen rassistische Diskriminierung wehren?
Gemeinsam reflektieren und Haltung zeigen
An der zweisprachig angebotenen Ausstellung nahmen alle 3. und 4. Klassen teil. Begleitet wurden die Klassen von ihren Philosophie- und Geschichtslehrpersonen, die im Vorfeld an einem Sensibilisierungskurs teilgenommen hatten. Dieser wurde von einer externen Kulturvermittlerin durchgeführt und diente der inhaltlichen Vorbereitung sowie der pädagogischen Begleitung der Ausstellung. Die Wanderausstellung bot den Schülerinnen und Schülern viel Raum für offene Diskussionen, kritische Fragen und persönliche Reflexionen. In einem geschützten Rahmen konnten unterschiedliche Perspektiven eingebracht, Erfahrungen ausgetauscht und aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen gemeinsam reflektiert werden. Damit leistete die Ausstellung einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung, zur Förderung von Zivilcourage und zu einem respektvollen und verantwortungsbewussten Miteinander im Schulalltag.
Laurence Ragonesi, Vorsteherin
Fragen stellen und eigene Verantwortung hinterfragen
«Im Service wird mir wegen meines Äusseren ständig die Frage gestellt, aus welchem Land ich komme. Wenn ich darauf mit ‚aus der Schweiz‘ antworte, reicht es meistens nicht. Auch wenn es niemand böse meint, kriege ich den Eindruck, nicht hierher zu gehören.»
«Ist es eine rassistische Äusserung, wenn ich meinem Kollegen sage, dass ich lieber nicht gegen dunkelhäutige Fussballspieler antreten möchte, weil diese einfach besser spielen als ich?»
«Wie kann man den strukturellen Rassismus überhaupt wissenschaftlich nachweisen?»
Die Wanderausstellung bot den Lernenden einen geeigneten analogen Raum, um ausgehend von Begriffserklärungen und historischen Einordnungen gemeinsam und offen über Rassismus zu sprechen. Übersichtliche und visuell ansprechende Tafeln erleichterten es uns Lehrpersonen, die Klassen durch ein inhaltlich und emotional komplexes Thema zu navigieren. Auch wenn historische Bezüge auf einzelnen Tafeln teilweise zu unterkomplex dargestellt waren (zum Beispiel jene zur Schweizer Flüchtlingspolitik während des Zweiten Weltkriegs) und begrifflich trennscharfe Abgrenzungen fehlten (zum Beispiel zur Xenophobie), verstanden sowohl die Lehrpersonen als auch die Lernenden den Ausstellungsbesuch als Chance, den Rassismus als aktuelles Problem besser zu begreifen und mutige Fragen zur eigenen Verantwortungzu stellen.
Michelle Wüthrich, Philosophielehrerin